Die jüngsten Diskussionen rund um Regenbogenfahnen in Neulengbach zeigen, warum sichtbare Zeichen für Vielfalt und Gleichberechtigung auch heute noch notwendig sind.
Während die FPÖ Neulengbach die Abnahme der Regenbogenfahne am Rathaus fordert und diese als Ausdruck einer politischen Agenda bezeichnet, wurde nur wenige Tage später eine Regenbogenfahne am Finsterhof gestohlen. Für den Verein ST. PRIDE – Queere Menschen in Niederösterreich sind beide Ereignisse Ausdruck derselben Entwicklung, dem Versuch, queere Menschen und ihre Anliegen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.
„Die alljährliche Empörung über Regenbogenfahnen ist mittlerweile ebenso vorhersehbar wie bezeichnend. Dabei wird gerne behauptet, die rot-weiß-rote Fahne würde ohnehin alle Menschen in Österreich repräsentieren. Das sollte sie auch. Doch die Geschichte zeigt, dass queere Menschen von diesem Versprechen konstant ausgeschlossen waren“, erklärt Obmensch Oskar Beneder.
Queere Menschen wurden auch nach dem Ende des Nationalsozialismus in Österreich weiterhin verfolgt und kriminalisiert. Viele Rechte, die heute selbstverständlich erscheinen, mussten über Jahrzehnte mühsam erkämpft werden. Noch bis in die 2000er-Jahre bestanden diskriminierende Sonderbestimmungen im österreichischen Strafrecht. Die öffentliche Interessenvertretung queerer Menschen wurde zusätzlich durch gesetzliche Einschränkungen erschwert und bis heute zeigt das fehlende Verbot von Konversionstherapien (pseudomedizinische Praktiken, die darauf abzielen, homosexuelle, bisexuelle oder transgeschlechtliche Menschen zu verändern oder ihre Identität zu unterdrücken), der Fehlende Schutz intergeschlechtlicher Kinder sowie die weiter steigende Zahl der Hassverbrechen gegen queere Menschen, dass Regenbogenfahnen und Demonstrationen wichtig für ein gleichberechtigtes Leben in Österreich sind.
„Denn Regenbogenfahne steht nicht für eine politische Lobbybewegung. Sie steht für Sichtbarkeit, Respekt und die Erinnerung daran, dass Gleichberechtigung niemals selbstverständlich war und auch heute nicht überall Realität ist“, so Beneder weiter.
Besonders betroffen zeigt sich der Verein ST. PRIDE über den Diebstahl der Regenbogenfahne am Finsterhof. Gerade in einer Zeit, in der queere Menschen wieder verstärkt Anfeindungen erleben, seien solche Vorfälle ein alarmierendes Signal.
Als Zeichen der Solidarität wird der Verein ST.PRIDE dem Finsterhof und seiner Betreiberin Lisa Köhler eine neue Regenbogenfahne als Ersatz überreichen.
„Wer glaubt, mit Diebstahl oder Einschüchterung die Sichtbarkeit queerer Menschen verhindern zu können, irrt sich. Jede gestohlene Fahne macht umso klarer deutlich, warum Sichtbarkeit in Form des Anbringens von Regenbogenfahnen weiterhin notwendig ist. Eine gestohlene Regenbogenfahne bedeutet nicht weniger Sichtbarkeit – sondern mehr Solidarität, mehr Zusammenhalt und schlichtweg eine neue Regenbogenfahne“, stellt Tris Endl, Obmensch Stellvertretung und Pressesprecherin des Vereins klar.
Der Verein ST. PRIDE erinnert in diesem Zusammenhang auch an das Denkmal für die queeren Opfer des Nationalsozialismus in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Die Inschrift „Totgeschlagen. Totgeschwiegen.“ mahnt bis heute, wohin Ausgrenzung und gesellschaftliches Schweigen führen können.
„Wir lassen uns nicht mehr totschweigen. Eine Regenbogenfahne ist kein Angriff auf Österreich. Sie ist kein Zeichen gegen etwas, sondern ein Zeichen dafür, dass alle Menschen Teil dieser Gesellschaft sind, und das Recht haben in Würde, Sicherheit und Freiheit zu leben. Die Forderung queerer Menschen nach Gleichberechtigung, Sicherheit und einem würdevollen Leben bedeutet keinesfalls den Beschnitt der Rechte und Freiheiten anderer Menschen, sondern ergänzt das gesamtgesellschaftliche Gefüge um eine weitere und buntere Facette der Vielfalt und des Miteinanders”, so Tris Endl.
Darum fordern wir alle Menschen auf am 25. Juli bei der von uns jährlich organisierten St. Pölten PRIDE Parade gemeinsam ein Zeichen gegen Intoleranz und für Vielfalt zu setzen!
Diese Presseaussendung ist eine Reaktion auf folgende Artikel:
Pride-Monat – Regenbogenfahne vom Finsterhof in Neulengbach gestohlen – NÖN.atNeulengbach – Rot-Weiß-Rot statt Pride: FPÖ fordert Abhängen der Regenbogenfahne – NÖN.at






