Vor fünf Jahren wurde der Verein ST. PRIDE mit einer klaren Vision gegründet: Queeren Menschen in St. Pölten und Niederösterreich einen Ort für Begegnung, Austausch und Sichtbarkeit zu schaffen. Heute ist ST. PRIDE weit mehr als die Organisatorin der St. Pöltner PRIDE Parade. Der Verein ist zu einer ganzjährigen Anlaufstelle für queere Menschen geworden – getragen von einer lebendigen Community, die sich mit regelmäßigen Treffen, Veranstaltungen und ehrenamtlichem Engagement für Sichtbarkeit, Zusammenhalt und Vielfalt einsetzt.
Die Geschichte von ST. PRIDE beginnt jedoch nicht mit der Vereinsgründung. Sie beginnt mit einem Mangel, den viele der heutigen Mitglieder aus eigener Erfahrung kennen: dem Fehlen von Orten, an denen queere Menschen sich begegnen konnten.
Der Wunsch nach einem eigenen Ort
Während Wien bereits seit vielen Jahren über zahlreiche Angebote verfügte, sah die Situation in Niederösterreich lange anders aus. Viele erzählen rückblickend von Einsamkeit, Unsicherheit und dem Gefühl, kaum andere queere Menschen zu kennen. Kathi, Teil des Teams für die Öffentlichkeitsarbeit, beschreibt diese Erfahrung als prägend. Erst als sie 2022 zufällig auf den Verein ST. PRIDE aufmerksam wurde, habe sie das Gefühl gehabt, endlich einen Ort gefunden zu haben, der in ihrer Heimat lange gefehlt hatte. Besonders wichtig seien für sie die regelmäßigen, konsumfreien Community-Treffen. Gemeinschaft dürfe nicht davon abhängen, ob man sich einen Abend in einer Bar leisten könne oder sich in einer lauten Club-Umgebung wohlfühle.
Aus einem Stammtisch entsteht eine Idee
Auch Oskar Beneder, Obmensch und Gründungsmitglied des Vereins ST. PRIDE, erinnert sich daran, wie sehr ihm ein lokaler Treffpunkt gefehlt hatte. Bereits im Vorgängerverein Queeriosity engagierte er sich dafür, queere Menschen miteinander zu vernetzen. Als sich dieser Verein schließlich auflöste, entstand aus einem neuen Stammtisch Schritt für Schritt die Idee eines Vereins. Von Anfang an war dabei klar, dass der Verein ST. PRIDE unabhängig und überparteilich bleiben sollte und gleichzeitig Angebote geschaffen werden mussten, die weit über einen einzelnen Tag im Jahr hinausreichen.

Auch Lex, Projektleitung der PRIDE Parade, war von Beginn an Teil dieses Neuanfangs. Was heute wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, entstand aus viel ehrenamtlichem Engagement und dem gemeinsamen Wunsch, queeren Menschen in St. Pölten einen dauerhaften Ort zu geben. Mit jeder Veranstaltung, jedem Community-Treffen und jeder neuen Person wuchs nicht nur der Verein, sondern auch das Netzwerk an Menschen, die ST. PRIDE mitgestalten und weiterentwickeln.
Ein Ort, an dem du willkommen bist
Mit dem Wachstum des Vereins entwickelte sich auch eine Community, die viele Mitglieder heute als das Herzstück des Vereins ST. PRIDE sehen. Sie ist ein Ort, an dem Menschen sich ausprobieren, austauschen und einfach sie selbst sein können. Oskar Beneder beschreibt dieses Gefühl mit den Worten: „Du kannst auch einmal ein Paar Schuhe anprobieren und wenn sie nicht passen, ziehst du sie wieder aus. Aber wir bleiben trotzdem ein Ort, an dem du willkommen bist.“ Ähnlich sehen es auch andere Mitglieder: Adrian, welcher für das Sponsoring zuständig ist, spricht von einem Ort, an dem Menschen füreinander da sind. Der Leiter der Arbeitsgruppe Sicherheit bei der PRIDE Parade, Jan von einem Raum, „in dem DU, DU sein kannst ohne Vorurteile zu befürchten“, und Mani, zuständig für das FLINTA-Treff, davon, anderen den sicheren Ort geben zu wollen, den das eigene jüngere Ich gebraucht hätte.
Fünf Jahre nach der Gründung ist ST. PRIDE für viele Menschen genau das geworden, was sich die Gründer:innen damals gewünscht hatten: ein Ort, an dem niemand das Gefühl haben muss, allein zu sein. Und genau deshalb ist die Geschichte des Vereins noch lange nicht zu Ende.






