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Warum die PRIDE noch wichtig ist 

Die vergangenen fünf Jahre haben gezeigt, wie viel sich verändern kann. Die St. Pöltner PRIDE ist gewachsen, immer mehr Menschen gehen mit und die queere Community in Niederösterreich ist sichtbarer geworden. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen der Menschen hinter ST. PRIDE und die Arbeit der Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW), dass Diskriminierung für viele queere Menschen noch immer Realität ist. Genau deshalb ist die PRIDE bis heute weit mehr als eine Feier, sie ist Demonstration, Sichtbarkeit und ein Zeichen für Gleichberechtigung.

Sichtbarkeit, die einen Unterschied macht 

Für Lex, Gründungsmitglied, Vorstandsmitglied und Projektleiterin der St. Pöltner PRIDE Parade , beginnt genau dort die Bedeutung: „Es ist wichtig, dass man Farbe zeigt und nicht still ist, wenn man zu einer Randgruppe gehört.“ Sichtbar zu sein bedeute, anderen Mut zu machen und gemeinsam zu sagen: „Hey, wir sind hier.“ Oskar, Obmensch und Gründungsmitglied, ergänzt, dass queere Menschen nicht nur in Großstädten leben. Gerade in Niederösterreich brauche es Orte, an denen Menschen einfach sie selbst sein können. Auch Erwin, Schriftführer und Vorstandsmitglied, betont: „Queere Menschen existieren auch in der Landeshauptstadt.“

Diese Erfahrungen decken sich mit den Beobachtungen der GAW. Sie berichtet, dass sich sehr häufig Menschen an sie wenden, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität belästigt werden. Dazu gehören teils massiv beleidigende queerfeindliche Beschimpfungen, Sachbeschädigungen, Misgendering und Deadnaming. Viele dieser Fälle ereignen sich am Arbeitsplatz; obwohl Arbeitgeber:innen davon wissen, greifen sie laut GAW häufig nicht oder nicht ausreichend ein.

Wie verbreitet solche Fälle sind, zeigen auch die Zahlen aus Niederösterreich: Im Berichtszeitraum 2024/25 betrafen fünf Prozent der Diskriminierungsfälle die sexuelle Orientierung oder das trans-, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Geschlecht. In der Arbeitswelt waren es vier Prozent aller Fälle, beim Zugang zu beziehungsweise bei der Nutzung von Gütern und Dienstleistungen 13 Prozent. Gleichzeitig bestehen weiterhin Schutzlücken. Das Gleichbehandlungsgesetz erfasst etwa Diskriminierungen im öffentlichen Raum oder im Kontakt mit Behörden nicht. Auch beim Zugang zu Gütern, Dienstleistungen und Wohnraum fehlt ein umfassender Schutz vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Gerade außerhalb der Ballungsräume kommt der Sichtbarkeit eine besondere Bedeutung zu. Die GAW weist darauf hin, dass die LGBTQIA+ Community in großen Städten deutlich sichtbarer und allgegenwärtiger ist als am Land. In ländlichen Regionen sei es schwieriger, Anschluss und Gleichgesinnte zu finden; zugleich seien diskriminierende Vorurteile dort stärker verbreitet. Angebote wie die St. Pöltner PRIDE Paradem oder regelmäßige Community-Treffen schaffen deshalb Begegnung und machen queeres Leben sichtbar.

Rechte sind nicht selbstverständlich 

PRIDE bedeutet aber nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Widerstand. Kathi aus dem Team für Öffentlichkeitsarbeit erinnert daran: „The first pride was a riot. Unsere Rechte sind hart erkämpft, und können auch wieder aberkannt werden.“ Tris, Obmensch-Stellvertreterin, Pressesprecherin und Mitarbeiterin im QueerSpace, sieht queeren Aktivismus deshalb als demokratische Aufgabe: „Queer-Aktivismus gehört für mich zur Demokratie dazu.“ Für sie reicht rechtliche Gleichstellung allein nicht aus. Denn gesellschaftliche Akzeptanz entstehe erst durch Begegnung, Gespräche und Sichtbarkeit.

Auch die GAW beschreibt trotz verbesserter rechtlicher Rahmenbedingungen einen starken gesellschaftlichen Backlash. Populistische und rechte Akteur:innen mobilisierten gezielt Ängste und treiben diese Entwicklung voran. Rechtliche Fortschritte allein garantieren daher noch keine gesellschaftliche Akzeptanz. Genau deshalb bleibt es wichtig, sichtbar zu sein, Begegnungen zu ermöglichen und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten.

Wie notwendig das ist, zeigen auch die persönlichen Erfahrungen der Vereinsmitglieder. Es wird berichtet von Beschimpfungen, Angriffen und Anfeindungen rund um Pride-Veranstaltungen. Trotzdem lautet die Botschaft von Mani: „We are here. We are queer. Deal with it. Wir gehen hier nicht weg, wir lassen uns unsere Rechte nicht nehmen. Keinen Schritt zurück, immer nur vorwärts.“ Adrian aus den Bereichen Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit fasst dieselbe Haltung mit wenigen Worten zusammen: „Es gibt nur einen Weg, und zwar den nach vorne.“ Sev, zuständig für Community-Abende, erinnert daran, dass PRIDE historisch aus einer Protestbewegung entstanden ist und bis heute dafür steht, sich nicht unsichtbar machen zu lassen.

Die Hoffnung geht mit 

Dennoch endet die Geschichte nicht beim Protest. Viele Menschen aus dem Verein schöpfen Hoffnung daraus, dass jedes Jahr mehr Menschen mitgehen, junge Generationen offener mit Vielfalt umgehen und Solidarität sichtbarer wird. Lex bringt diesen Wunsch auf den Punkt: „Es wäre schön, wenn Pride irgendwann nur noch ein Fest wäre – und keine Demonstration mehr.“ Bis dieser Tag kommt, bleibt die St. Pöltner PRIDE mehr als eine Parade: Sie bleibt ein Zeichen des Zusammenhalts, der Hoffnung und des Mutes.

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