“5 Jahre Zusammenhalt – und kein Schritt zurück“
Zum fünften Mal in Folge organisiert der Verein ST. PRIDE am Samstag, 25. Juli, die PRIDE Parade in St. Pölten. Im Fokus stehen heuer Community-Building, aber auch der Widerstand gegen regressive Strömungen.
ST. PÖLTEN / NIEDERÖSTERREICH – Queere Menschen sind heutzutage so sichtbar wie historisch nie zuvor. Auch in kleineren Gemeinden werden im Pride Month Regenbogenflaggen gehisst. In Niederösterreich finden in mehreren Städten Pride Paraden statt.
Umso schockierender ist es, wenn sich rechte Parteien von Regenbogenfahnen angegriffen fühlen – wie beispielsweise unlängst in Neulengbach. Ein FPÖ-Gemeinderat echauffierte sich über die bunte Flagge am Rathaus und witterte eine “politische Gesamtagenda”.
“Warum sieht Blau sofort rot, wenn gesellschaftlicher Fortschritt sichtbar gemacht wird?”, fragt sich Oskar Beneder, Obmensch des Verein ST. PRIDE – Queere Menschen in Niederösterreich.
Rechte nehmen Verschlechterungen für alle in Kauf
Die blaue Intoleranz-Politik beschränkt sich nicht nur auf Worte – und scheut auch nicht vor Verschlechterungen für die gesamte Gesellschaft zurück, solange sie queeren Personen schadet. Das zeigt ein Beispiel aus Amstetten: Landesrat Martin Antauer strich dem Jugendzentrum Don Bosco 50.000 Euro Landesförderung. Seine Begründung? „Links-woke Workshops“, wie ein „Pride-Flaggen-Quiz“.
“Lieber Angebote, die allen Menschen gleichsam offenstehen und alle gemeinsam nutzen können, streichen, als hinzunehmen, dass nicht alle Menschen dem traditionell-konservativen Familienbild entsprechen. Mit dieser Rückschritts-Politik ist niemandem geholfen. Das dient lediglich der eigenen rückschrittlichen Agenda rechter Parteien ”, so Obmensch-Stellvertretung und Pressesprecherin des Vereins Tris Endl.
ST. PRIDE fordert echte Verbesserungen
Regenbogenfahnen im öffentlichen Raum sind ein wichtiges Symbol für Sichtbarkeit, Respekt und Zusammenhalt. Aber es reicht nicht, nach außen hin Regenbogen-Farben zu bekennen. Fortschritt hat sich die LGBTIQA+ Community hart erkämpft – und dennoch sind wir noch lange nicht am Ziel.
Schockierend ist, dass Konversionstherapien in Österreich noch immer erlaubt sind. Anläufe für ein Verbot hat es gegeben, doch die ÖVP stellte sich quer. “Die Christlich-Konservativen lassen lieber Kinder mit solchen pseudomedizinischen Praktiken traumatisieren, als ihnen zu erlauben, ihre Identität zu leben”, kritisiert Oskar Beneder.
Auch werden intergeschlechtliche Kinder noch immer verstümmelt, weil sie nicht dem binären Bild von “männlich oder weiblich” entsprechen. Außerhalb der Arbeitswelt gibt es nach wie vor keinen Diskriminierungsschutz im Privatleben für queere LGBTIQA+ Personen.

Gleichstellung: Sowohl politisch, als auch gesellschaftlich
Besonders außerhalb der Städte fehlen Räume für queere Menschen. Doch um zu erleben, dass man auch am Land mit der eigenen queeren Lebensrealität nicht allein ist, brauch es Orte für den Austausch. Echte Gleichstellung geht über Politik und Gesetze hinaus. Auch gesellschaftlich müssen queere Personen, Beziehungen und Bedürfnisse als gleichwertig und gleich wichtig angesehen werden.
“Ich kenne unzählige Lebensgeschichten queerer Menschen in ländlichen Regionen in Niederösterreich, die ihre eigene Identität aufgrund ihres “Queer-Seins” nicht offen leben können. Wir sprechen hier von alltäglichen Dingen, die für cis hetero Menschen völlig normal und selbstverständlich sind. Händchen halten in der Öffentlichkeit, den bzw. die gleichgeschlechtliche:n Partner:in zur Familienfeier mitbringen, die eigene Hochzeit im großen Stil feiern. Solange solche alltäglichen Tätigkeiten für queere Menschen irgendwo in Niederösterreich noch verpönt sind, braucht es unsere aktivistische Arbeit und die PRIDE Paraden“, so Tris Endl.
Zusammen nach vorne
Der Verein ST. PRIDE steht seit fünf Jahren für Zusammenhalt, Aktivismus und ehrenamtliches Engagement. Seit der Gründung im Jahr 2021 und der ersten vom Verein organisierten PRIDE Parade in St. Pölten hat sich viel getan. Mittlerweile hat sich ST. PRIDE als Interessensvertretung für queere Menschen in Niederösterreich etabliert. Neben der Vernetzung innerhalb der Community leistet der Verein auch immer mehr Bildungs- und Aufklärungsarbeit.
Dass sich die Arbeit von ST. PRIDE sehen lassen kann, zeigt auch die Auszeichnung mit dem heurigen Regenbogenball-Award. Honoriert wurde mit dem Preis das Projekt “QueerSpace”, ein sozialarbeiterisch betreutes Angebot für queere Jugendliche.
St. Pölten PRIDE PARADE am 25. Juli 2026
In Regenbogenfarben getaucht wird Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten am Samstag, 25. Juli. Das Motto der St. Pölten PRIDE Parade lautet heuer “5 Jahre Zusammenhalt – und kein Schritt zurück”. Die Demonstrierenden versammeln sich ab 15:30 am St. Pöltner Domplatz. Los geht der Demozug um 16 Uhr.
Nach der Demonstration gibt es am Domplatz ein buntes Programm mit Musik, Ansprachen und mehr. Ab 22 Uhr findet im Cinema Paradiso das After-PRIDE-Clubbing statt.
In der Woche vor der PRIDE gibt es eine Reihe von Veranstaltungen im Rahmen der PRIDE WEEK. Nähere Infos zur PRIDE WEEK und dem Programm am 25. Juli folgen!





