ST. PRIDE ist aus einem Bedürfnis entstanden, das viele queere Menschen in Niederösterreich kennen: nicht länger allein sein zu wollen. Gerade außerhalb Wiens fehlten lange Orte, an denen sie einander begegnen, Erfahrungen teilen und selbstverständlich sie selbst sein konnten. Aus diesem Bedürfnis ist über die Jahre eine Gemeinschaft gewachsen, die Menschen zusammenbringt und ihnen einen Ort zum Ankommen gibt.
Vom Alleinsein zum Ankommen
Kathi aus dem Team für Öffentlichkeitsarbeit erinnert sich daran, wie isolierend es war, als lesbische Jugendliche in St. Pölten aufzuwachsen. Erst durch ST. PRIDE habe sie das Gefühl gehabt, endlich einen Ort gefunden zu haben, der in ihrer Heimat lange gefehlt habe. Besonders wichtig sind ihr bis heute die konsumfreien Community-Treffen. Denn Gemeinschaft sollte nicht davon abhängen, ob man sich einen Abend in einer Bar leisten kann.
Auch Oskar, Obmensch, Gründungsmitglied und Leiter der Community-Treffen, kennt dieses Gefühl. Schon lange vor ST. PRIDE fehlte ihm eine Anlaufstelle für queere Menschen. Heute beschreibt er Community mit den Worten: „Du kannst auch einmal ein Paar Schuhe anprobieren und wenn sie nicht passen, ziehst du sie wieder aus. Aber wir bleiben trotzdem ein Ort, an dem du willkommen bist.“
Gemeinschaft bedeutet füreinander da zu sein
Was diesen Ort ausmacht, beschreiben die Menschen im Verein auf unterschiedliche Weise. Für Adrian aus den Bereichen Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit ist Community „ein Wort des Zusammenhaltes“ – ein Ort, an dem Menschen mit ähnlichen Erfahrungen füreinander da sind. Jan, Leiter der AG Sicherheit, nennt sie „Ein Raum in dem DU DU sein kannst ohne Vorurteile zu befürchten.“ Lex, Gründungsmitglied, Vorstandsmitglied und Projektleiterin der PRIDE Parade, verbindet damit vor allem „Zusammenhalt. Gemeinschaft. Ein Safer Space. Neue Freundschaften kennenlernen. Kontakte knüpfenb und sich austauschen.“
Wie viel schon eine einfache Begegnung verändern kann, zeigt Erwins Erfahrung. Der Schriftführer fand nach seinem Coming-out durch ST. PRIDE Anschluss. „Teil einer queeren Community zu sein, bedeutet für mich endlich mal aus der Wohnung rauszukommen.“ Community beginnt manchmal genau damit: gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und nicht mehr allein zu sein.
Sev, die Community-Abende gestaltet, versteht Gemeinschaft zugleich als aktive Solidarität. Für sie reicht es nicht, einfach nur zusammenzugehören. Unterstützung müsse bewusst gelebt werden. Besonders für jene Menschen, die stärker von Ausgrenzung betroffen sind. Ihr Leitsatz bringt diese Haltung auf den Punkt: „Niemand ist frei bis nicht alle frei sind.“
Räume, die früher gefehlt haben
Das Gemeinschaft unterschiedliche Räume braucht, zeigt sich auch in den Angeboten des Vereins. Mit dem QueerSpace entstand 2022 ein eigener Ort für queere Jugendliche. Tris, Obmensch-Stellvertreterin, Pressesprecherin und Mitarbeiterin im QueerSpace, beschreibt das Ziel klar: „Ich möchte einen Platz schaffen, den mein jüngeres Ich gebraucht hätte.“ Dort dürfen junge Menschen Fragen stellen, sich ausprobieren und ihren eigenen Weg finden. „Labels sind halt Labels. Manchmal probierst du eines aus und merkst, dass es nicht ganz passt.“
Auch der regelmäßige FLINTA-Treff schafft einen Raum für Begegnung. Mani aus dessen Organisation verbindet Community mit Zusammenhalt, Solidarität und Freundschaften. Menschen können dort Kontakte knüpfen, sich austauschen und einfach Zeit miteinander verbringen. Tatjana, die bei der PRIDE die Ehrenamtskoordination übernimmt, fasst zusammen, was solche Räume ermöglichen: Community bedeutet für sie vor allem „Einen Ort zu haben wo ich mich nicht verstecken muss und einfach ich sein kann.“
Nach fünf Jahren ist ST. PRIDE deshalb weit mehr als eine Organisation. Der Verein schafft Orte, an denen aus Fremden Freund:innen werden, aus Begegnungen Vertrauen wächst und Menschen erfahren, dass sie nicht allein sind. Vielleicht liegt genau darin die Bedeutung von Community: willkommen zu sein, ohne sich verstecken zu müssen – und füreinander da zu sein, damit dieses Gefühl auch für andere möglich wird.






